Schon gewusst

120.000 Kilometer für ein Glas Blütenhonig

Für ein 500-Gramm-Glas fliegen Bienen dreimal um die Erde. Was wirklich in einem Glas Blütenhonig steckt, rechnet der Imkerbund vor – und die Zahlen liest man zweimal.

120.000 Kilometer für ein Glas Blütenhonig
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Für ein 500-Gramm-Glas fliegen Bienen dreimal um die Erde. Was wirklich in einem Glas Blütenhonig steckt, rechnet der Imkerbund vor – und die Zahlen liest man zweimal.

Ein Glas Blütenhonig steht bei uns im Regal, 500 Gramm, und niemand hält es für etwas Besonderes. Wer die Zahlen dahinter kennt, nimmt es anders in die Hand.

Dreimal um die Erde

Der Deutsche Imkerbund rechnet es für den Echten Deutschen Honig vor: Für 500 Gramm müssen Arbeitsbienen rund 40.000 Mal ausfliegen und legen dabei etwa 120.000 Kilometer zurück. Der Erdumfang beträgt gut 40.000 Kilometer. Für ein Glas wird also dreimal die Erde umrundet.

Angeflogen werden auf diesem Weg etwa zwei Millionen Pflanzen. Rund siebeneinhalb Millionen Blüten werden dabei bestäubt – und das ist die eigentliche Arbeit der Biene. Der Honig ist fast ein Nebenprodukt.

Drei Kilometer, Flug für Flug

Teilt man die 120.000 Kilometer durch die 40.000 Ausflüge, bleiben genau drei Kilometer je Flug. Das deckt sich mit dem, was Imker beobachten: Gesammelt wird meist im Umkreis von eineinhalb bis drei Kilometern um den Stock. Nur wenn in der Nähe nichts blüht, fliegt eine Biene weiter, in Ausnahmen bis zu zehn Kilometer.

Bis zu dreißig Mal am Tag macht sich eine einzelne Biene auf den Weg, und bei jedem Flug besucht sie zwischen 200 und 300 Blüten. Dabei bleibt sie einer einzigen Blütenart treu. Imker nennen das blütenstet: Wer morgens am Löwenzahn angefangen hat, fliegt an diesem Tag keinen Klee an.

Das klingt nach Sturheit, ist aber der Grund, warum Bestäubung überhaupt funktioniert. Der Pollen landet dort, wo er hingehört – bei derselben Pflanzenart. Und es ist auch der Grund, warum es Sortenhonig gibt.

Was eine einzelne Biene schafft

Eine Sommerbiene lebt vier bis sechs Wochen. Erst in den letzten zwei bis drei Wochen ihres Lebens wird sie zur Sammlerin; davor putzt sie, füttert die Brut und bewacht den Eingang. In ihrem ganzen Leben kommt sie auf etwa einen Teelöffel Honig.

Rechnet man die 40.000 Ausflüge auf die einzelne Sammlerin um, die in ihrem kurzen Flugleben einige hundert Mal ausfliegt, dann stecken in einem Glas die Flüge von gut hundert bis zweihundert Bienen. Diese letzte Zahl ist unsere eigene Überschlagsrechnung, keine Angabe des Imkerbunds – die Größenordnung stimmt, die Zahl ist keine Messung.

Warum Honig nicht billig sein kann

Je Flug bringt eine Biene etwa 0,05 Gramm Nektar mit. Für ein halbes Kilo Honig sind das rund zwei Kilo Nektar, aus dem das Wasser erst verdunsten muss, bis Honig daraus wird. Diese Arbeit macht die Biene, nicht der Imker.

Wenn ein Glas Honig also so viel kostet wie zwei Tassen Kaffee, dann ist das kein hoher Preis. Es ist ein erstaunlich niedriger.

Quelle: Deutscher Imkerbund e. V., „Zahlen & Fakten“; Angaben zu Lebensdauer und Flugradius aus der imkerlichen Fachliteratur

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