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Kochen mit unseren Zutaten

Fünf Tage Geduld

Bayerischer Sauerbraten mit Kartoffelknödeln und Rotkohl

Der Sauerbraten ist kein Gericht für den spontanen Entschluss. Das Fleisch liegt drei bis fünf Tage in der Beize, und erst diese Zeit macht aus einem günstigen Stück Rindschulter etwas, das mürbe genug für den Löffel ist. Dafür ist am Kochtag fast alles schon entschieden: Man schmort, man reibt Kartoffeln, man bindet die Soße. Davor eine klare Suppe mit Markknödeln, danach eine Prinzregententorte, die man am Vortag backt – so hat man am Sonntag nur einen Topf und einen Bräter auf dem Herd.

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Fünf Tage Geduld
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Vorspeise

Markknödelsuppe in klarer Rindsuppe

⏱ 40 Minuten, 1 Stunde Ruhezeit

Markknödel sind die leiseste der bayerischen Suppeneinlagen: kein Innereiengeschmack, nur Semmel, Mark und Muskat. Das Mark bekommt man beim Metzger in den aufgesägten Röhrenknochen; man löst es mit dem Daumen heraus.

Zutaten für 3 Personen

120 g Rindermark aus einem aufgesägten Röhrenknochen
3 Stück Semmeln vom Vortag alternativ Knödelbrot
2 Stück Ei
30 g Paniermehl zum Nachbinden, falls die Masse zu weich ist
1 Stück Zwiebel
30 g Butter
3 EL Petersilie, gehackt
nach Geschmack Salz, Pfeffer, Muskat
1,2 l Rinderbrühe klar, möglichst selbst gekocht
nach Geschmack Schnittlauch zum Bestreuen

Zubereitung

  1. Das Mark aus dem Knochen lösen, fein hacken und in einer kleinen Pfanne bei schwacher Hitze schmelzen, bis es glasig ist. Nicht bräunen – es soll nur weich werden. Abkühlen lassen, bis es wieder cremig steht.
  2. Die Semmeln ohne Rinde sehr fein reiben oder im Blitzhacker zu Bröseln verarbeiten. Markknödel werden aus Bröseln gemacht, nicht aus Würfeln; davon kommt die feine, glatte Oberfläche.
  3. Zwiebel sehr fein würfeln und in der Butter glasig dünsten, abkühlen lassen.
  4. Mark, Ei, Zwiebel, Petersilie und die Gewürze mit den Bröseln zu einer weichen Masse verrühren. Eine Stunde kalt stellen – sie zieht nach und wird deutlich fester.
  5. Einen Probeknödel von Walnussgröße in siedendem Salzwasser garziehen lassen. Fällt er auseinander, kommt löffelweise Paniermehl dazu; wird er fest wie ein Radiergummi, rührt man einen Löffel Brühe unter.
  6. Die Rinderbrühe aufsetzen, auf kleiner Hitze halten, sodass sie nur zittert. Die Knödel einlegen und 12 bis 15 Minuten ziehen lassen, bis sie oben schwimmen.
  7. In vorgewärmten Tassen mit reichlich Schnittlauch servieren.
Tipp: Die Knödel am Vortag formen und auf einem bemehlten Brett im Kühlschrank lagern, aber nicht in der Brühe aufbewahren – sie saugen sich voll und werden am nächsten Tag schwammig. Garziehen immer erst kurz vor dem Essen.
Hauptgang

Bayerischer Sauerbraten mit Kartoffelknödeln und Rotkohl

⏱ 3 Stunden am Kochtag, 3 bis 5 Tage Beizen

Rindschulter, in einer Beize aus Rotwein, Essig und Wurzelwerk gesäuert und dann drei Stunden geschmort. Gebunden wird die Soße altbayerisch mit Lebkuchen, der gleichzeitig die Säure abrundet. Dazu gekochte Kartoffelknödel und ein Rotkohl, der am Vortag besser schmeckt als frisch.

Zutaten für 3 Personen

660 g Rinderschulter, am Stück Bug oder falsches Filet, gut durchzogen
300 ml Rotwein für die Beize
180 ml Rotweinessig für die Beize
2 Stück Zwiebel für die Beize
2 Stück Karotte für die Beize
120 g Sellerie für die Beize
90 g Lauch für die Beize
2 Stück Lorbeerblatt für den ganzen Topf
4 Stück Gewürznelken für den ganzen Topf
6 Stück Wacholderbeeren für den ganzen Topf
60 g Butterschmalz zum Anbraten
45 g Weizenmehl Type 550 zum Mehlieren des Fleisches
90 g Lebkuchen ungefüllt, zum Binden der Soße
30 g Honig für die Soße
60 ml Sahne für die Soße
nach Geschmack Salz, Pfeffer aus der Mühle
900 g Kartoffeln, mehligkochend für die Knödel
90 g Weizenmehl Type 550 für die Knödel
2 Stück Ei für die Knödel
nach Geschmack Muskat für die Knödel
750 g Rotkohl
2 Stück Apfel, säuerlich für den Rotkohl
45 g Butterschmalz für den Rotkohl
45 ml Rotweinessig für den Rotkohl
30 g Zucker für den Rotkohl
60 g Preiselbeeren zum Abrunden des Rotkohls

Zubereitung

  1. Drei bis fünf Tage vorher: Rotwein, Essig und einen Schluck Wasser mit dem grob geschnittenen Wurzelwerk, Lorbeer, Nelken und Wacholder einmal aufkochen und vollständig abkühlen lassen. Das Fleisch in eine Schüssel legen und mit der kalten Beize bedecken. Heiße Beize gart die Oberfläche und macht sie grau – deshalb immer kalt angießen.
  2. Zugedeckt in den Kühlschrank stellen und täglich einmal wenden. Ragt ein Stück heraus, hilft ein kleiner Teller als Gewicht. Nach drei Tagen ist das Fleisch angenehm säuerlich, nach fünf deutlich kräftiger – länger als fünf Tage wird es strohig.
  3. Am Kochtag das Fleisch herausnehmen, trocken tupfen, salzen, pfeffern und dünn mehlieren. Die Beize durch ein Sieb gießen, Flüssigkeit und Gemüse getrennt auffangen. Das Butterschmalz im Bräter erhitzen und das Fleisch rundum kräftig braun braten, dann herausnehmen.
  4. Das abgetropfte Wurzelgemüse im selben Fett rösten, bis es Farbe hat. Mit einem Drittel der Beize ablöschen und einkochen lassen, das zwei weitere Male wiederholen – dieses Einkochen in Etappen gibt der Soße die Tiefe. Fleisch einlegen, restliche Beize angießen und zugedeckt bei 150 °C zweieinhalb bis drei Stunden schmoren, einmal wenden.
  5. Für den Rotkohl den Kohl fein hobeln, den Apfel würfeln. Beides im Butterschmalz andünsten, mit Essig und Zucker abschmecken, einen Schluck Wasser zugeben und zugedeckt eine gute Stunde leise schmoren. Zum Schluss die Preiselbeeren unterrühren und nachsalzen.
  6. Für die Knödel die Kartoffeln in der Schale weich kochen, noch heiß schälen und durch die Presse drücken. Flach ausbreiten, den Dampf entweichen lassen, dann mit Mehl, Ei, Salz und Muskat zügig zu einem Teig abmengen. Nicht kneten, sonst wird er klebrig. Knödel formen und in nur leise siedendem Salzwasser 20 Minuten ziehen lassen.
  7. Das Fleisch herausnehmen und warm stellen. Die Soße durch ein Sieb drücken, den zerbröselten Lebkuchen einrühren und fünf Minuten köcheln lassen, bis er sich gelöst hat. Mit Honig, Sahne, Salz und Pfeffer abschmecken. Fleisch quer zur Faser in fingerdicke Scheiben schneiden und mit Knödeln und Rotkohl anrichten.
Tipp: Die Soße entscheidet sich beim Abschmecken, nicht beim Schmoren. Ist sie zu sauer geworden, hilft kein Wasser, sondern Honig und ein Stich Butter; ist sie zu flach, ein Spritzer Essig aus der Flasche. Reste vom Fleisch am nächsten Tag in der Soße erwärmen und mit gebratenen Semmelknödelscheiben essen – so ist der Sauerbraten am zweiten Tag fast noch besser.
Nachspeise

Prinzregententorte

⏱ 2 Stunden, über Nacht durchziehen

Sechs dünne Biskuitböden, fünf Schichten Schokoladenbuttercreme, darüber eine glatte Glasur. Die Torte ist Arbeit, aber keine Kunst – man braucht nur eine Form, Geduld beim Backen der einzelnen Böden und eine Creme, die dieselbe Temperatur hat wie die Butter. Die Mengen gelten für eine ganze Torte und wachsen nicht mit der Personenzahl.

Zutaten für 3 Personen

4 Stück Ei für eine Torte von 26 cm, 10 bis 12 Stück
120 g Zucker für den Biskuit
120 g Weizenmehl Type 550 für den Biskuit
40 g Butter flüssig, für den Biskuit
5 g Weinsteinbackpulver
nach Geschmack Vanillepulver, Salz
500 ml Milch für die Buttercreme
4 Stück Eigelb für die Buttercreme
100 g Zucker für die Buttercreme
40 g Weizenmehl Type 550 für die Puddingbasis
250 g Butter zimmerwarm, für die Creme
60 g Kakaopulver stark entölt
150 g Zartbitterschokolade für die Glasur
30 ml Sahne für die Glasur

Zubereitung

  1. Den Boden einer Springform mit Backpapier belegen und den Rand nur dünn fetten. Eier mit Zucker, Vanille und einer Prise Salz zehn Minuten hell und dick aufschlagen – diese Luft ist das einzige Triebmittel, das zählt. Mehl mit Backpulver darübersieben und mit dem Teigschaber unterheben, zuletzt die flüssige, abgekühlte Butter.
  2. Etwa sechs Esslöffel Teig dünn in die Form streichen und bei 200 °C fünf bis sechs Minuten backen, bis der Boden gerade Farbe nimmt. Sofort vom Papier lösen und auf einem Gitter abkühlen lassen. So nacheinander sechs Böden backen; der Teig wartet in der Schüssel geduldig.
  3. Für die Creme aus Milch, Eigelb, Zucker und Mehl einen dicken Pudding kochen, dabei ständig rühren. Mit Folie direkt auf der Oberfläche abdecken und auf Zimmertemperatur abkühlen lassen – wirklich auf Zimmertemperatur, nicht kalt.
  4. Die zimmerwarme Butter weiß aufschlagen und den Pudding löffelweise einarbeiten. Haben beide dieselbe Temperatur, wird die Creme glatt und seidig; ist der Pudding kälter, gerinnt sie. Dann hilft es, die Schüssel kurz in warmes Wasser zu stellen und weiterzuschlagen. Zum Schluss das Kakaopulver unterrühren.
  5. Die Böden schichten und jeweils dünn mit Creme bestreichen – fünf Schichten innen, der oberste Boden bleibt frei. Den Rand glatt abstreichen und die Torte eine Stunde kalt stellen.
  6. Schokolade mit der Sahne über dem Wasserbad schmelzen, kurz abkühlen lassen und auf den obersten Boden gießen. Mit einer Palette in einem Zug glattziehen; wer nachstreicht, bekommt Streifen.
  7. Die Torte über Nacht kühl, aber nicht eiskalt stellen und eine halbe Stunde vor dem Servieren aus dem Kühlschrank nehmen. Buttercreme schmeckt kalt nach nichts.
Tipp: Ein Lineal an der Springform hilft mehr als jedes Rezept: Teig abwiegen und jeden Boden mit derselben Menge backen, dann wird die Torte gerade. Die Schnittfläche nach dem ersten Stück mit Backpapier abdecken, so trocknet die Creme nicht aus und die Torte hält drei Tage.

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